Von Wurstfingern und Säbeln bis zum Zahnverlust – THL Samstag

Forrest Gump hatte schon recht. Das Leben ist eine Schachtel Pralinen – man weiß nie, was drin ist. Und Feuerwehr ist sowas wie die Jumbo-Packung pralles Leben. Keiner kann vorhersehen, wann die Sirene angeht und welche Situation dann wartet. Brände sind wegen ihrer dynamischen Entwicklung besonders tückisch, aber trotzdem irgendwie ähnlich. Einsätze zur technischen Hilfeleistung haben eine enorme Bandbreite. Es gibt keine Patentlösungen. Kreative Lösungen mit Hilfe der vorhandenen technischen Mittel sind gefragt. Dafür muss man natürlich seine Ausrüstung kennen – und im Ernstfall schnell finden. Denn egal wie unvorhersehbar ein Szenario ist – oft drängt die Zeit.

Einige Szenarien haben wir am vergangenen Samstag mal durchgespielt und Lösungen ausprobiert.

9:32 – Der Ehering

Der treue Willi Wurstfinger trägt seinen Ehering seit 49 Jahren. Er ist immer noch wie frisch verliebt in seine Else. In letzter Zeit wünscht er sich aber ein bisschen mehr Freiraum – also am Finger, genauer gesagt am Ringfinger. Der Ehering verursacht einen schmerzhaften Blutstau, der immer schlimmer wird. Irgendwann wählt er den Notruf und wir rücken mit dem Rüstwagen an.

Hydraulikschere, Spreizer, Rüstholz, Schlauchboot – viele Ausrüstungsgegenstände sind in dieser Situation nicht zu gebrauchen. Aber welche die „richtigen“ sind, erfordert schon etwas Fantasie. Der Seifenspender am Hygieneboard könnte die Lösung sein. Damit könnte der Ring vom Finger flutschen. Wenn das nicht klappt, dann funktioniert es vielleicht mit dem Dremel. Und wie stellen wir sicher, dass wir Willi nicht in die Wurstfinger sägen? Mit Stukateurspachteln. Ja, auch sowas ist auf dem RW verlastet. Und die kann man zwischen Ring und Haut schieben. Auch wichtig, damit es nicht zu heiss an den Fingern wird: mit einer Spritzflasche kühlen. Oder wir nehmen eine Ringsäge. Und wenn das auch nicht hinhaut, dann fällt uns bestimmt noch eine weitere Lösung ein.

10:38 – Der Rasen braucht frische Luft

Dass der Frühling im Kahlgrund angekommen ist, merkt man vor allem daran, dass die Vertikutierer angeschmissen werden. Auch Guido Golfrasen legt großen Wert auf sattes Grün und sorgt dafür, dass Luft an die Graswurzeln kommt. Heute ist es aber etwas dumm gelaufen. Ein Stein hat sich in die Fräse geklemmt. Vielleicht hätte er das Stromkabel rausziehen sollen, bevor er versuchte, den Stein zu entfernen. Jetzt ist der Stein raus, aber seine Hand … .

Pedalschneider? Flex? Wie gehen wir ran? Schonender für den Patienten ist es, wenn wir die Welle einfach mit einem Inbus-Schlüssel rausschrauben. Dann kann Guido den Vertikutierer sogar im nächsten Frühling wieder verwenden – wenn er denn noch will.

13:19 – Rallye

Sportlich, ambitioniert – so beschreibt Justin seine Fahrweise. Leider war er in einer Kurve überambitioniert. Er wird aus der Kurve getragen, überschlägt sich mehrfach. Sein Auto ist fast so ramponiert wie unser Übungsobjekt. Bei unserem Eintreffen ist kaum mehr zu erkennen, was für ein  Model das mal war. Die Kofferraumklappe muss weg, dann das Dach aufgeklappt werden. (An dieser Stelle mal wieder die Bitte: kümmert euch darum, dass eine Rettungskarte in eurem Auto ist.)

Dazu nutzen wir Spreizer, Schere und Hydraulikstempel. Aber wo setzen wir die Geräte an? Gibt es Alternativen? Schon erstaunlich, wie leicht sich die Säbelsäge durch das Autoblech frisst – zumindest bist zu den gehärteten Stellen am Schiebedach. Dort leidet das Sägeblatt sichtlich. Einige Sägezähne überleben die Tortur nicht. Dafür aber Justin, den wir durch eine große Seitenöffnung schnell befreien können.

14:51 – am Handy gespielt

Nur kurz abgelenkt war er. Ein Blick aufs Handy – und hinten hatte sich das Kind abgeschnallt. Aber dieser kurze Moment hat gereicht. Sekunden später sind zwei Autos ineinander verkeilt. Und das in einer engen Straße – kaum Platz für Feuerwehr und Rettungsdienst. Das Szenario der Einsatzübung zum Abschluss der THL Samstag ist kompliziert.

Auf der Anfahrt haben wir nur wenige Informationen: e-Call, unklare Lage. Dennoch gehen die ersten Schritte zügig voran. Platzieren der Fahrzeuge, Erkunden der Einsatzstelle, Bereitstellen der Werkzeuge. Stabilisieren der Fahrzeuge, Rettung einer verletzen Person. Doch die zweite Person ist schwerer eingeklemmt. Und dann ist da noch eine dritte Person versteckt im anderen Fahrzeug. Aber auch hier finden wir schnell eine Lösung.

Was wäre Plan B und Plan C gewesen? Eine abschließende Manöverkritik hilft, kleine Fehler zu erkennen, damit sie im Ernstfall nicht vorkommen.

16:02 – Einsatzbereitschaft wieder herstellen

Nach jedem Einsatz und jeder Übung werden unsere Fahrzeuge und Geräte wieder in einen Top-Zustand gebracht. Alles kommt wieder an seinen richtigen Platz. Die Säbelsäge bekommt ein neues Blatt. Die Autos werden gereinigt.

16:31 – Feierabendgetränk

Auch das gehört dazu.